Didge meets Drum

Als Freunde des Elements Luft sprechen Andreas Cushion und ich mit zwei nach Winden benannten, archaischen Instrumenten Menschen an, die sich gerne auf Trance-Reisen begeben. Ob dies in Form von Krafttierreisen, ob zu einer willentlichen Anschauung innerer Bilderwelten und Kontemplation oder einfach nur zur Entspannung geschehen will, überlassen wir ganz dem Reisenden.

Andreas schamanische Trommel Nordwind und mein Didgeridoo Westwind, ein modernes Djunggirriny von Larry Gurruwiwi (zur Geschichte des Djunggirriny siehe Yidakistory), fanden wohl nicht zufällig zusammen: Es ist ein authentisches, traditionelles Didgeridoo der Yolŋu, von dem es heißt, es bringe zusammen, was weit entfernt ist. Die samische Trommeltradition aus dem Norden Skandinaviens und die Aborigines-Tradition des Yidaki-Spiels aus Nordwest Arnhem Land könnten geographisch und inhaltlich nicht weiter voneinander entfernt liegen, und doch entfaltet ihre Kombination etwas gänzlich Neues.

Mit diesem gänzlich Neuen versuchen wir, in unserer Musik Geschichten zu erzählen, die vom Luftelement inspiriert, vom Wind getragen und vom Herzen geformt sind. Zurzeit erarbeiten wir mit dem Produzenten Duke Meyer unsere erste Zusammenstellung verschiedener Songs mit Didgeridoo und Rahmentrommel.

Deine eigene Veranstaltung

Du planst eine eigene Veranstaltung und suchst dafür einen Didgeridoo-Spieler?

Ich biete dir gerne meine Unterstützung an, auch in Kombination mit der schamanischen Trommel. Idealerweise stimmen wir uns inhaltlich ab und schauen, ob wir zueinander finden.

Tarif Didgeridoo solo:

90 € pro Stunde vor Ort
zzgl. 30 € pro Stunde Reisezeit

Tarif Didge‘n‘Drum:

150 € pro Stunde vor Ort
zzgl. 50 € pro Stunde Reisezeit

Meine Philosophie

Das Instrument der indigenen Bevölkerung Australiens, traditionell aus Eukalyptusholz und von Termiten ausgefressen, führt dich in archaische und mystische Klangsphären. Es kann von meditativ bis perkussiv gespielt werden, von traditionell bis modern, und bietet dir somit einen reichhaltigen Schatz an individuellen Ausdrucksmöglichkeiten.

Das Didgeridoo ist viel mehr als nur ein hohles Stück Holz: Es ist ein spirituelles Kulturinstrument, zumindest für die indigene Bevölkerung Australiens. In unserem westlichen Kulturkreis hingegen kann das Digeridoo für uns nicht dieselbe Bedeutung einnehmen. Wenn wir es auf unsere Weise benutzen, schmälert das den ursprünglichen Wert des Instruments und seine kulturell-spirituelle Bedeutung meiner Ansicht nach in keiner Weise.

Vermutlich käme kein gesunder Verstand auf die Idee, zum Beispiel der japanischen Bevölkerung das Spielen christlicher Kirchenorgeln und liturgischer Literatur vorzuenthalten oder gar zu verbieten.

Meine Art zu spielen

Meine Art, Didgeridoo zu spielen, ist geprägt u.a. durch Unterricht bei Michiel Teijgeler sowie durch Workshops bei Dubravko Lapaine, Zelday Karssen und Zalem Delarbre. Weitere Inspirationen kommen von Tyler Spencer, Ondřej Smeykal und Larry Gurruwiwi.

Traditionelle Spieltechniken und Rhythmen mit modernen, westlichen Ideen zu verbinden ist meine Art, das Didgeridoo zu interpretieren und einen individuellen Didgesound zu kreieren.

Didgin’Drum-Meditation

Unter Trance induzierenden Rhythmen, die Andreas Cushion auf seiner schamanischen Rahmentrommel mit dem Namen Nordwind vorschlägt, spiele ich Djunggirriny, ein traditionell gebautes Didigeridoo der Yolŋu, das dem Westwind geweiht wurde. Gemeinsam schicken wir dich auf eine Reise, bei der du deine inneren Bilder ansehen, ihre Botschaften hören und deiner inneren Stimme folgen darfst.

Die Kombination der beiden archaischen Instrumente Trommel und Didgeridoo scheint eine besondere Kraft auszustrahlen, über die selbst erfahrene „Reisende“ immer wieder staunen und berichten: Es kann eine ungewöhnlich tiefe Trance und darin auch Selbstheilung erfahren werden.

Du kannst eine meditative Reise bei uns für dich alleine oder eine Gruppe buchen oder eines unserer Events besuchen.

Kurz mal reinhören (mit Kopfhörern)…

Didge meets Reeds

Seit 2019 gestalten Michael Bereckis und ich als Duo Fronk-Bereckis Klangräume mit dem Didgeridoo und verschiedenen Blasinstrumenten und Synthesizern, die Michael spielt. Du findest diese Projekte auch als Playlists auf meinem YouTube-Kanal.

Die musikalische Begegnungen mit Saxophon und Klarinette, Didgeridoo meets Reeds, waren unsere ersten Annäherungen aneinander. Im Winter 2022/23 entstanden drei Alben mit Michaels Synthesizern:

  • Didgitalidoo: Didge und Synth begegnen sich live on tape.
  • Psychedelic Talks: Lautmalerische Gespräche zwischen Didge (live on tape) und Synth (Playback).
  • Meltmosphere: Eine verschmelzende Atmosphäre beider Klangwelten – Was ist Didge, was ist Synth?

Im Herbst 2024 fanden schließlich Synthesizer, Saxophon und Didgeridoo gemeinsam zueinander: Synthaxeridoo!

Drum-only-Meditation: Luft und Feuer

Meine schamanische Trommel Dragon Fire, gebaut von Erik Humaidan nach dem Vorbild der skandinavischen Samen, verwebt das Luftelement mit dem Feuerelement. Der tiefe Klang ihres Schlages erhebt sich langsam zu einem ekstatischen und feurig-flirrenden Spiel von sich umzüngelnden Obertönen, während du dich ganz deinen inneren Bildern – inspirierend und inspiriert zugleich – widmest.

Ich bespiele dich mit Dragon Fire und führe dich in tiefe Trance, nachdem wir vorher ein Ziel oder ein Thema angeschaut haben, mit dem du auf deine innere Reise gehen möchtest. Ob du in neo-schamanischen Krafttierreisen geübt oder ungeübt bist, spielt dabei keine Rolle. Du darfst diese Meditation ganz nach deiner Vorstellung liegend, sitzend oder tanzend erleben.

Diese Reise wird von einem kleinen Räucherritual begleitet, das du auch gerne selbst mit einbringen magst.

Eine Meditation kannst du für dich alleine oder eine Gruppe buchen. Sie dauert mit Einleitung und Nachwirkung ungefähr eine Zeitstunde äußerer Zeit und findet an einem physischen Ort deiner Wahl statt.

Arbeit an den Basics

Beim Didgeridoo Spielen geht es um weit mehr, als bloß irgendwie einen Ton zu spielen und vielleicht dabei auch noch so etwas wie Luftholen hinzubekommen. Ein solider Grundton und richtiges Atmen sind beide essenziell und wollen stabil gekonnt sein. Bevor du also wirklich Musik machst, solltest du diese Grundlagen beherrschen.

Was du lernst

  • Stabilität und Kontinuität des Grundtons
  • Ruhiges und lückenloses Atmen
  • Verschiedene Betonungen für verschiedene Spielweisen: meditativ, perkussiv, old-school oder modern traditionell
  • Variation des Grundtons und der Obertöne, Huptöne, Einsatz der Stimme, diverse (Tier-)Laute
  • Richtige Lautstärke und druckvolles Spiel, Klarheit der Obertöne, starke Stimme

Professionelle Atemtechniken

Hast du das Zirkularatmen erst mal verstanden, kommen auch schon die nächsten Stufen.

Was du lernst

  • Atembewusstsein und Atemkontrolle
  • Verschiedene Atemtechniken mit Wangen, Kiefer und Zunge für ausdauernde Spiel- und Kraftbalance
  • Unterbrechungen loswerden
  • Verschiedene Push- und Pull-Techniken für Bounce Breath oder Speed-Wobbles
  • Meditatives Atmen für Trance-Induktion

Rhythmik und Akzentuierung

Nachdem du Grundton und Atmung gelernt hast, ist rhythmisches Spielen der nächste Baustein. Didgeridoo ist mehr als Pusten und Schniefen, so wie Perkussion mehr als Klopfen ist: Musik ohne Rhythmus ist wie Suppe ohne Geschmack. Was macht einen Rhythmus aus, wie gestaltet man ihn?

Was du lernst

  • Gerade und ungerade Rhythmen
  • Off-beats und Jazz-Stile
  • Gestaltungstechniken für eigene rhythmische Pattern und Kompositionen
  • Konzept der Akzentverschiebung
  • Höreffekte verstehen und erzeugen

Sounds of the Ancestors


Musikalische Untermalung der Tattoo Convention „Echoes of Ink

Termin in 2026 noch offen

Die Convention zeigt und nutzt die Geschichte der Körperkunst, die weit vor die modernen Zeiten zurückreicht. Die Welt der Tätowierkunst und die Evolution von Designs und Techniken im Laufe der Jahrtausende werden hier erlebbar.

Wir untermalen die Convention mit archaischen Klängen des Didgeridoo, der American Native Flute und der schamanischen Trommel. So kannst du noch etwas tiefer in die Facetten der Kunst abtauchen und dich optisch und akustisch gleichermaßen verwöhnen lassen.

Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen
Am Barkhauser Berg 2-6
33813 Oerlinghausen

Meditation „Innere Bilder“

für jeden geeignet

26. Juni 2026

Du begibst dich auf eine Reise zu deinem inneren Selbst, deinem Kraftort, deinem Unbewussten. Wie immer du es nennen magst und was auch immer dich dorthin begleitet und dir begegnet, ist ganz dein eigenes Erleben.

Ich spiele ein Djunggirriny, Westwind, unter Trance induzierenden Rhythmen, die Andreas auf seiner Trommel Nordwind vorschlägt. Gemeinsam schicken wir dich auf eine Reise, auf der du deine inneren Bilder ansehen und ihren Botschaften folgen darfst.

Die Kombination der beiden archaischen Instrumente Trommel und Didgeridoo scheint eine besondere Kraft auszustrahlen, über die selbst erfahrene „Reisende“ immer wieder staunen und berichten: Es kann eine ungewöhnlich tiefe Trance und darin auch Selbstheilung erfahren werden.

Gesundheitshaus am Wiehengebirge
Wiehengebirgsweg 274
32609 Hüllhorst

Spendenbasis

Schamanische Reise

Workshop für Spieler mit Kenntnis schamanischer Reisen

27. und 28. Juni 2026

Das Didgeridoo zur Begleitung schamanischer Reisen oder für Krafttierbegegnungen zu verwenden, erfordert spezifische Spielweisen. Rhythmus, Geschwindigkeit, Lautstärke und natürlich die eigentlichen Klangfarben wollen sorgfältig und bewusst gewählt sein, um in Begleitung einer Trommel und anderer Instrumentarien die richtige Stimmung zu erzeugen und darüber einen Trance-Zustand zu erreichen.

Wir lernen in diesem Workshop einige Spielweisen kennen und üben sie ein. Zudem beschäftigen wir uns damit, wie die einzelnen Elemente ineinandergreifen, um Begleitungen selbst gestalten zu können.

In einer Didge’n’Drum-Session am Abend des ersten Workshoptages sammeln wir in der Gruppe Erfahrungen mit dem Gelernten und gehen gemeinsam auf Trance-Reise.

Gesundheitshaus am Wiehengebirge
Wiehengebirgsweg 274
32609 Hüllhorst

120 €

Schnarchen und Apnoe

Immer wieder hört man, dass sich das Spielen des Didgeridoos positiv auf das Schnarchen und die Apnoe, das Aussetzen der Atmung im Schlaf, auswirken soll.

Ich arbeite nicht therapeutisch und biete keine auf Apnoe oder Schnarchen abzielenden Übungen an. Bei mir lernst du schlicht, das Didgeridoo zu spielen, wenn du am musikalischen Teil interessiert bist. Alles weitere ist ein „Geschenk“.

Die Frage, ob das Didgeridoo bei Apnoe hilft, ist für mich ganz ähnlich zu der Frage, ob das Rhönrad bei Gleichgewichtsstörungen hilft. Selbst bei einem eindeutigen „Ja“ stellte sich mir doch sofort die Folgefrage, ob ich den Aufwand des Sporttrainings für die Behandlung meines Symptoms betreiben möchte, die das Turnens an einem solchen Gerät erfordert: Bin ich sportlich genug, mich darauf einzulassen? Bin ich musikalisch genug und möchte ich den Übungsaufwand für das Erlernen eines rhythmischen(!) Blasinstruments(!) auf mich nehmen? Die Annahme, man müsse zur Behandlung der Apnoe ja nur ein bisschen in ein hohles Rohr pusten, wird diesem Musikinstrument(!) jedenfalls bei Weitem nicht gerecht. Dann nehme man besser ein Staubsaugerrohr und übe das Pusten daran.

Würdest du einen Pianisten fragen, ob er dir das Klavierspielen beibringen möchte wegen deines Rheumas in den Fingern?

Selbstwahrnehmung

Das Didgeridoo-Spielen hilft dir, bewusster auf einige Dinge an und in deinem Körper zu achten, insbesondere deine Atmung und dein Wohlbefinden stehen im Fokus: Wie viel Luft habe ich noch, wann sollte ich atmen, habe ich zu viel oder zu wenig geatmet, wie geht es mir damit?

Diese Form des Achtsamkeitstrainings kann auf dein körperliches Wohlbefinden positive Auswirkungen haben: Du lernst, mehr auf deine Kraftanstrengungen zu achten und darüber deine Balance und dein inneres Gleichgewicht zu steuern; und auch die Notwendigkeit für Ruhephasen kannst du früher bemerken und so besser auf dieses innere Bedürfnis eingehen.

Ebenso ist das Didgeridoo ein Instrument des Fühlens und der Intuition, nicht der Noten. Es zu spielen bedeutet vor allem, dich selbst und deine Emotionen zu offenbaren. Es regt zum Mittanzen ebenso an, wie es dich mit deiner inneren Stimme, deinem Selbst, zu verbinden vermag.

Je mehr du auf deine innere Stimme zu achten vermagst, desto mehr erreichst du deine Zuhörer mit deinen zu Klang gewordenen Gedanken und Gefühlen – wie bei jedem anderen Instrument.

Gleichzeitig nimmt dich das Didgeridoo mit auf deine ganz individuelle Reise zu dir selbst. Höre dir beim Spielen zu und staune über das, was dir darin begegnen wird.

Meditation

Das Didgeridoo-Spielen fördert eine wichtige Grundlage zur Meditation, nämlich das bewusste Atmen. Eine gängige Praxis, um mit einer Meditation zu beginnen, ist das Beobachten des Atmens und das bewusste Eintreten in einen Atemrhythmus. Dieser Aspekt ist auch beim Didgeridoo-Spielen zentral, um die Atmung eben genau dort in das gespielte Stück einbauen zu können, wo sie rhythmisch zwingend oder passend ist. Es gilt beim Spielen und beim Meditieren, sehr genau auf die Atmenbedarfe des Körpers zu achten, damit nicht zu viel oder zu wenig Atmenluft in den Lungen das Wohlbefinden stört.

Das bewusste Atmen kannst du als Erfahrung mit in deine Meditation nehmen. Und umgekehrt: Bist du geübt im Meditieren, kannst du diese Erfahrung ins Didgeridoo-Spielen einfließen lassen.

Einfluss auf dein Sprechen

Das Didgeridoo-Spielen greift in deinen gesamten Sprech- und Atemapparat ein, da viele feine Muskeln und Bewegungen koordiniert werden müssen. Insbesondere die Wahrnehmung der Zungenposition und des Lufthaushalts sind von zentraler Bedeutung. Das absichtliche und gezielte Ansteuern des Sprech- und Atemapparats kann positive Auswirkungen auf verschiedene Aspekte des freien Sprechens haben.

Deine Stimmlage kannst du besser in die sogenannte Stimmmittellage bringen, da du verschiedene Aspekte der Stimme zu beherrschen lernst und sie dir bewusst machst.

Deine Sprechtechnik kann sich verbessern, und mit mehr Sicherheit beim Sprechen kannst du im Raum und in der Kommunikation präsenter werden.

Energiehaushalt

Beim Spielen steht dir nur eine bestimmte Menge an Luft zur Verfügung, bevor du einatmen musst. Diese Luft will in Schwingung versetzt und moduliert werden. Atmen, Lippenflattern und Tonmanipulationen sind mit einer gewissen Anstrengung verbunden und brauchen Kraft, von der dir aber ebenfalls nur eine begrenzte Menge zur Verfügung steht. Mit deiner Kraft wirst du also haushalten müssen.

Es ist daher relevant zu wissen, welche Faktoren auf deinen Energieverbrauch Einfluss nehmen und wie sie sich gegenseitig bedingen.

Die wichtigsten 5 Einflussfaktoren sind meines Erachtens nach:

  1. Tonqualität
  2. Technische Präzision
  3. Komplexität der Spielweise
  4. Geschwindigkeit
  5. Lautstärke

Die ersten drei sind Qualitätsmerkmale, die letzten beiden sind Quantitätsmerkmale.

Diese Merkmale kannst du nicht alle gleichzeitig mit maximaler Aufmerksamkeit und Kraft bedienen. Beispielsweise geht eine höhere Lautstärke zulasten der Tonqualität, während ein schnelles und präzises Spiel zulasten der Komplexität geht. Sich solcher Merkmale und ihrer Abhängigkeiten bewusst zu sein, ist für ein ausgeglichenes Spiel essentiell.

Grundton erzeugen

Jedes Didgeridoo hat genau eine Grundfrequenz, in der es schwingt, den sogenannten Grundton. Diese Grundfrequenzen liegen in der Regel zwischen 65 Hz (C) und 92 Hz (G), also zwei Oktaven unter dem Kammerton a mit 440 Hz (siehe hierzu Frequenzen der gleichstufigen Stimmung).

Um einen solchen Grundton zu erzeugen, müssen deine Lippen in exakt der Frequenz schwingen, die der Grundfrequenz deines Didgeridoos entspricht. Dazu lässt du deine Lippen locker flattern. Dabei öffnen und schließen sie sich ganz von alleine und versetzen so die ausgeatmete Luft in Schwingung. Das Problem dabei ist, nur die Lippenmitte im Bereich unter der Nase flattern zu lassen, während die Lippenränder zu den Wangen hin möglichst angespannt bleiben.

Die Wangen liegen dabei eng an den Zähnen an und sind nicht aufgebläht, die beiden Kiefer bzw. die Zähne liegen fast aufeinander. Wichtig ist auch, nicht zu überblasen, also niemals tief einzuatmen und mit vollen Wangen zu pusten! Vielmehr soll ein druckvoller Luftstrom durch die enge Lippenöffnung fließen, sodass dort das Flattern der Lippe optimal angeregt werden kann. Das Verhältnis von Lippenspannung und Atemdruck ist entscheidend für die Stabilität der Luftsäule und damit für die Qualität des Grundtons. Flattern deine Lippen nicht oder zu wenig, hörst du keinen Ton oder nur ein Rauschen; sind sie zu fest angespannt, ergibt sich eher ein quitschiger Ton. Ist dein Druck zu gering, klingt der Ton leise und unter der Grundfrequenz deines Didgeridoos; ist er zu groß, liegt dein Ton über der Grundfrequenz. Das optimale Verhältnis spürst du ganz deutlich dann, wenn die Vibration des Didgeridoos auch dein Gesicht vibrieren lässt.

Den Anpressdruck der Lippen am Mundstück und die Lage der Lippen musst du ebenfalls beachten: Lege das Mundstück des Didgeridoos vollständig am Mund an, so dass es an den Rändern gut abgedichtet ist und hier keine Luft entweichen kann. Die Lippenöffnung kann zunächst möglichst mittig zum Mundstück platziert sein. Für ein optimales Passgefühl kannst du das Mundstück höher oder tiefer ansetzen. Teste einfach, wie es sich für dich am besten anfühlt und du einen soliden Grundton erzeugen kannst.her Merkmale und ihrer Abhängigkeiten bewusst zu sein, ist für ein ausgeglichenes Spiel essentiell.

Obertöne

Jedes Didgeridoo spielt nur auf genau einer spezifischen Tonhöhe, die annähernd unveränderlich ist und eine Entsprechung in der Länge des Instruments findet. Diese spezifische Tonhöhe wird gerne als Grundton bezeichnet.

Häufig hört man dann Leute sagen, dass der Klang des Didgeridoos sich aus diesem Grundton und vielen Obertönen ergibt. Obertöne sind schlichtweg weitere Frequenzen, die zum Grundton dazukommen und die typische Klangfarbe eines Tons ausmachen. Genau genommen ist der Grundton selbst schon mit vielfältigen Obertönen gefärbt, denn ein reiner Grundton ist nur ein Sinuston. Er heißt so, weil er im Spektrometer als Sinuskurve erscheint. Sobald weitere Frequenzen diesen Ton anreichern, interferieren sie miteinander und erzeugen eine komplexere Klangkurve, die wir dann als „typischen Klang“ wahrnehmen. Der typische Didge-Sound ist also schon sehr reich an Obertönen.

Ab jetzt wird es spannend, denn diese Obertöne, also die anreichernden Frequenzen und damit die Klangfarbe, kann ich als Spieler beeinflussen. Deswegen klingt ein Didgeridoo eben nicht wie eine Trompete, auf der man stets denselben Ton spielt. Da lässt sich die Klangfarbe nämlich im Gegensatz zum Didgeridoo nur unmerklich verändern.

Erreicht wird das unter anderem durch die Zunge. Sie formt beim Sprechen insbesondere Vokale, und eben diese haben unterschiedliche Klangfarben, sonst könnte man ein „u“ nicht von einem „i“ unterscheiden. Durch Zungenbewegungen verändere ich also die Klangfarbe meines Didgeridoos. Und idealerweise sind es nicht zufällige oder willkürliche Bewegungen, sondern gezielt angesteuerte Bewegungen und Zungenpositionen, die vor allem den Vokalen entsprechen.

Was du also spielen willst, musst du sprechen oder besser: singen können! Oder andersherum: Was du nicht aussprechen kannst, kannst du auch nicht spielen. Unser gesamter Sprech- und Atemapparat ist damit die wichtigste Komponente bei der Klangbildung.

Huptöne

Mit Hupton ist eine Art Trompetenton gemeint. Du erzeugst ihn durch eine sehr starke Verengung der Lippen. Diese flattern dann nicht mehr so locker wie üblich, sondern sind sehr angespannt und verlangen nach einem hohen Luftdruck beim Ausatmen. Um beides zu bewirken, nimmst du am besten die Zunge zur Hilfe: Sie liegt hinter den Zähnen wie bei „d“ oder „t“ und wird ruckartig zurückgezogen, um den Luftstrom schlagartig freizugeben, etwa wie beim Ausspucken eines Kirschkerns. Es gibt jedoch einige verschiedene Techniken, um Huptöne auf verschiedene Weisen zu erzeugen, die dann auch leicht unterschiedlich klingen. Aber für alle ist die sehr angespannte Lippe grundlegend.

Jedes Didgeridoo hat charakteristische Tonlagen für seine Huptöne. Sie wollen also erst gefunden werden. Meistens gibt es nicht nur einen, sondern eher zwei und auch schon mal bis zu fünf, je nach Bauart des Didgeridoos. Die jeweiligen Frequenzen der Huptöne deines Didgeridoos liegen bisweilen recht weit auseinander, sodass es einige Übung und Anstrengung braucht, die höheren zu erwischen: Denn je höher der Hupton ist, desto mehr Luftdruck und Lippenspannung brauchst du.

Tierlaute

Mit der Stimme können auch Tiere immittiert werden. Recht beliebt ist das Bellen von Hund oder Dingo, das Nachahmen von Vogelrufen, Affenschreien oder was sonst die Natur lauthals belebt. Um einen Tierruf auszustoßen, ziehst du das Zwerchfell ruckartig zusammen und verengst den Kehlkopf. Der Luftstoß kommt also von dort unten und ist kein Auspressen der Luft aus dem Brustkorb. Das wäre nicht schnell und druckvoll genug und würde schlicht ein Überblasen des Grundtons bewirken.

Stimme

An der Tonlage des Didgeridoos und damit an seiner Grundfrequenz können wir so gut wie nichts ändern (wir müssten es dazu kürzer oder länger machen). Die Obertöne jedoch können wir manipulieren, indem wir mit der Zunge Vokale formen, gerade so, wie wenn du „u-o-a-e-i“ flüsterst. Natürlich sind auch „ä-ö-ü“ oder „eu-ai-ei-ui“ oder sonstige Vokalkombinationen möglich und hören sich am Didgeridoo jeweils recht unterschiedlich an.

Wieder anders klingen diese Vokale, wenn du sie nicht flüsterst, sondern unter Einsatz deiner Stimmbänder ganz normal aussprichst. Die Stimmbänder modifizieren die ausgeatmete Luftsäule bereits am Kehlkopf, noch bevor die Zunge ihr Übriges dazutut. Am Didgeridoo nehmen wir dann einen knatternden Ton wahr, der sich deutlich von der geflüsterten Variante unterscheidet.

Die Stimme ist aber noch vielseitiger: Du kannst neben der sog. Bruststimme auch deine Kopfstimme nutzen oder deine Stimme bewusst tiefer klingen lassen. So gibt es auch abseits der Stimmmittellage einiges zu entdecken. Darüberhinaus kannst du auch am Didgeridoo singen oder schreien, und all das lässt sich auch noch in der Lautstärke verändern. Die drei Parameter Stimmlage, Stimmnutzung und Lautstärke bilden also ein komplexes Modifikationsgeflecht, das dein Spiel gravierend und hörbar beeinflusst.

Zirkularatmung / Pull

Das größte Geheimnis des Didgeridoos ist wohl die Frage: „Und wie atme ich ein, ohne dass ich aufhören muss zu spielen?“ Die geheimnisvollste Antworte darauf lautet wohl: „Ganz einfach: Durch die Nase!“

Am Didgeridoo entsteht ein Ton ja nur dann, wenn seine Luftsäule schwingt, und das geht eben zunächst durch Ausatmen der Luft aus den Lungen durch den Mund. Beim Einatmen von Luft durch den Mund in die Lungen kann aber nicht gleichzeitig Luft aus den Lungen herausströmen, denn die Luftröhre ist immer nur in eine Richtung nutzbar. Auch beim Einatmen durch die Nase kannst du also nicht gleichzeitig über die Lungen ausatmen. Die einzige Möglichkeit, in genau der Zeit, in der du durch die Nase einatmest, einen Luftstrom in das Didgeridoo abzugeben, ist – Achtung: Geheimnis wird gelüftet! – die im Mundraum verbliebene Luft auszupressen, ganz so, als hättest du Wasser im Mund und entließest es in einem dünnen Strahl durch die angespitzten Lippen ins Freie – bloß nicht schlucken, und um das zu verhindern, verschließt die Zunge am Gaumensegel den Mundraum und trennt ihn damit vom Rachenraum ab, genau wie es passiert, wenn du den Laut „ng“ wie in „Engel“ oder „Gong“ sprichst. Dennoch müssen beim Auspressen der Luft aus dem Mundraum die Lippen weiterhin locker flattern, denn nur dabei bleibt der Ton erhalten (und da helfen Wasserübungen oder die viel zitierte Strohhalmmethode überhaupt nicht weiter). Das alles zu koordinieren, erfordert viel Übung und braucht vermutlich einen Lehrer, der sehen und korrigieren kann, was du gerade tust oder nicht tust.

Mit diesem Wissen können wir einen Kreislauf im Luftstrom beschreiben, den wir Zirkularatmung nennen:

  1. Luft aus den Lungen durch den Mund bei engen Wangen ausatmen
  2. Beim Ausatmen Luft im Mundraum sammeln (zum Beispiel durch Aufblähen der Wangen wie beim Kerzen Auspusten oder Herunterklappen des Kiefers wie beim „a“ oder durch Zurückziehen der Zunge wie beim Wort „Puh“)
  3. Luft aus dem Mundraum auspressen (zum Beispiel durch Zusammenziehen der Wangen oder Heraufziehen des Kiefers oder Drücken der Zunge nach vorne zu den Zähnen) und DABEI GLEICHZEITIG Luft durch die Nase einziehen
  4. Wieder Luft durch den Mund ausatmen (also wieder Schritt 1.)

In Schritt 2 gelangt je nach Ausprägung der Wangen-, Kiefer- und Zungenbewegung unterschiedlich viel Luft in deinen Mundraum: das Aufblähen der Wangen gibt dir mehr Luft als das Herunterziehen des Kiefers in einer Kaubewegung als das Zurückziehen der Zunge. Je nach Spielweise und Rhythmik steht jede dieser drei Bewegungen mehr oder weniger im Vordergrund: Denn je mehr Luft du im Mundraum hast, desto länger kannst du sie auspressen und desto mehr Zeit und Ruhe hast du, währenddessen Luft durch die Nase einzuatmen.

Dieses Einatmen durch die Nase nennt man bisweilen auch deswegen „aktive Atmung“ (im Englischen besser: pull breath), weil der Brustkorb bzw. das Zwerchfell hier aus eigener Kraftanstregnung geweitet werden müssen und die Luft aktiv durch Muskelanstrengung eingesaugt wird.

Eine andere Art der Atmung ist der sogenannte push breath. Dabei wird der Mundraum durch einen kräftigen Stoß des Zwerchfells mit Luft gefüllt und dabei die Wangen geweitet, und gleichzeitig wird das Zwerchfell nach oben gepresst, wodurch die Luft sofort wie von selbst wieder aus dem Mund entweichen und das Zwerchfell sich nach unten entspannen will und dabei wie von selbst Luft einsaugt. Der Atemzyklus wird hier sehr kurz und schnell ausgeführt.

Zirkularatmung / Push

Eine weitere Ausprägung der Zirkularatmung ist die sogenannte „passive Atmung“. Dieser Begriff suggeriert etwas, das so nicht ganz richtig ist: nämlich, dass du hier gar nichts tun müsstest. Im Gegenteil: Die Luft in deinen Lungen wird mit einem sehr aktiven(!) und kräftigen Stoß (push) des Zwerchfells durch den Mund ausgeatmet. Stelle es dir vielleicht so vor, als müsstest du die Kerzen auf einem Geburtstagskuchen alle auf einmal und aus 2 Meter Entfernung auspusten. Dabei füllt sich automatisch dein Mundraum mit Luft, deine Wangen werden geweitet, wenngleich auch deutlich weniger als bei einer ausgeprägten Wangen- oder Kieferbewegung, wie beim pull breath beschrieben.

Nach diesem push oder bounce breath, der eine aktive Anstrengung erfordert, wollen die aufgeblähten Wangen wie auch das kontrahierte Zwerchfell – und hier kommt der passive Gedanke ins Spiel – sich wieder entspannen und in ihre Ausgangslage zurückkommen. Dies ist der Moment, in dem die Luft wie von selbst durch die Nase in die Lungen strömen kann: Beim Entspannen des Zwerchfells wird sie ganz von alleine eingesogen (daher der Name „passive Atmung“). In genau diesem, wenn auch nur sehr kurzen Moment, presst du die verbliebene Luft aus dem Mundraum, und auch hierbei musst du die Lippen natürlich am Flattern halten.

Übung für Pull & Push

Zwei gute Übungen, um verschiedene Atemtechniken zu erlernen, sind „ta-ka-wa-ka“ für den pull breath und „ta-ka-tung-wi“ für den push breath:

  1. ta-ka-wa-ka: Zwei Sprechsilben „ta“ (variabler Vokal) und „ka“, wobei „ka“ eine Kieferbewegung nach unten verlangt, „wa“ als der Moment, in dem du die Luft durch eine Kieferbewegung nach oben aus dem Mund auspresst und dabei GLEICHZEITIG durch die Nase einatmest, und „ka“ ist wieder eine normale Sprechsilbe. Zusammen klingt das wie das Geräusch einer alten Dampflock.
  2. ta-ka-tung-wi: Zwei Sprechsilben „ta“ und „ka“ (variable Vokale), dann die Stoßsilbe „tung“ – hierbei erfolgt der push wie bei einem Trommelschlag auf dem „tu“ und das Zurückziehen von Wange und Zwerchfell auf dem „ng“, wobei dann die Luft aus dem Mund ausströmt und GLEICHZEITIG neue Luft durch die Nase einströmen kann, und „wi“ ist dann wieder eine Sprechsilbe mit Ausatmen. Ein besonders netter Effekt in dieser Übung entsteht, wenn du „ta-ka“ ohne Stimme und „wi“ mit tiefer Stimme spielst.

Beide Übungen lassen sich zu „taka-waka-tung-wi“ vereinen und schnell spielen, was dann wie eine Dampflock in voller Fahrt klingt.

Herkunft

Ursprünglich stammt das Instrument aus dem im Norden von Australien liegenden Arnhem Land. Seit den 1950ern wurde es im Rest Australiens bekannt und in Europa seit den 1960ern gezeigt (siehe dazu Wikipedia: D*v*d Bl*n*s*). Die Olympischen Spiele 2000 in Sydney brachten die Instrumente schließlich in die Wahrnehmung der Öffentlichkeit und in die sich dann anschließende Massenproduktion. Hier verliert sich die Qualität sowohl im Klang als auch bei der Bemalung. Heute stammen viele Instrumente aus Indonesien. Sie werden entweder aus dort geernteten Hölzern gefertigt, oder es werden australische Eukalyptusstämme exportiert, bemalt und dann reimportiert. Zu den „echten“ Didgeridoos kannst du bei Instrumentkategorien etwas nachlesen.

Alter des Didgeridoos

Das Didgeridoo wird oft und gerne als das älteste oder mindestens als eines der ältesten Blasinstrument der Menschheit bezeichnet. Eine Übertreibung oder gar Mythos? Gut möglich, denn Archäologen schätzen anhand von Felsmalereien der Aborigines das Alter des Didgeridoo auf lediglich 2500 bis 3500 Jahre (vgl. Wikipedia). Das ist die Zeit um 1000 vor Christus – die Pyramiden von Gizeh entstanden etwa von 2620 bis 2500 v. Chr., waren zu diesem Zeitpunkt also schon gut 1500 Jahre alt, und die alten Ägypter hatten fantastische Blasinstrumente, wie zum Beispiel das Arghul.

In den Erzählungen der Clans geht das Didgeridoo auf die „Traumzeit“ zurück. Wenn man jedoch nicht richtig verstanden hat, was die Bedeutung dessen ist, was westliche Anthropologen seinerzeit mit dem Begriff „Traumzeit“ übersetzten, und man dies schlicht auf eine mit einem Zeitbegriff konnotierte Schöpfungsmythologie reduziert, dann ist das vielleicht der Grund dafür, warum das Alter des Didgeridoos gerne mit 20.000, 40.000 oder sogar 100.000 Jahren beziffert wird (oder es dient dem Spieler als Angeberei). Bei dieser Annahme ist zudem zu bedenken, dass Homo Sapiens Australien vor ungefähr 45.000 Jahren überhaupt erst besiedelte und die Aborigines nachweislich Nachfahren dieser Menschengruppe sind [Eske Willerslev, Morten Rasmussen et al.: Science. 20. September 2011]. Auch Eukalyptusbäume tauchten in Australien erst mit dem Erscheinen der Sapiens auf. Ob diese Gruppe also bereits ein Blasinstrument „im Gepäck“ hatte, oder ob es noch viele Jahrtausende brauchte, bis Termiten in Eukalyptuswäldern Stämme aushöhlten, ist nicht feststellbar. Und um nicht zu spekulieren, bleibe ich daher lieber bei den archäologisch gesicherten Fakten zu den Felsmalereien.

Das nachweislich älteste Blasinstrument der Welt, eine Flöte, hat tatsächlich ein Alter von 40.000 Jahren und wurde auf der Schwäbischen Alb gefunden. Es darf also zwingend bezweifelt werden, dass das Didgeridoo das älteste Blasinstrument ist. Und ehrlich gesagt: Sein Alter trägt für mich nicht dazu bei, die Klänge des Instruments zu mögen.

Über den Namen

Es gibt sehr viele verschiedene Namen für das Instrument je Clan und Sprachraum. Die für uns bekanntesten Namen aus Arnhem Land sind Yidaki und Mago. Yidaki ist der Yolngu-Name für das Didgeridoo; Mandapul ist seit 2011 der offizielle Yolngu-Name für Yidaki – siehe dazu einen Eintrag in der englisch-sprachigen Wikipedia. Mit diesen Namen verbinden wir sowohl Bauweisen als auch Spieltechniken.

Für den Namen „Didgeridoo“ gibt es verschiedene Begründungen (siehe dazu auch Wikipedia: Didgeridoo):

Umgekehrt ist es aber ebenfalls denkbar: Es lässt sich fast jede Silbenfolge auf dem Didgeridoo nachahmen. Daher fällt es nicht schwer, ein „typisches“ Klangbild, das sich wie „Didgeridoo“ anhört, zu erzeugen. Was also war zuerst: Henne oder Ei?

Der Name stamme aus dem Irischen: dúdaire dúth (gesprochen dudscherreh duh, übersetzt: Horn der Eingeborenen) – klingt sehr plausibel.

Der Name sei von der häufig zu hören gewesenden Klangsilbenfolge „Di-de-ri-du“ abgeleitet.

Traditionelle Instrumente

Traditionelle Didgeridoo (siehe auch Kategorien) werden von Aborigines aus hohlen Stämmen verschiedener Eukalyptus-Arten gebaut. Die Stämme werden von Termiten ausgehöhlt, wobei der Fraßgang den individuellen Klang des Didgeridoos maßgeblich mitbestimmt. Das richtige Stück im australischen Busch zu finden und daraus ein wirklich gutes Didgeridoo zu machen, ist eine traditionelle Handwerkskunst, und das nötige Wissen wird innerhalb der Clan-Familien weitergegeben.

Bei Instrumenten aus Bambus ist eine hohe Klangqualität meist nur bei wirklich alten Instrumenten gegeben. Es gibt auch Didgeridoos aus Jack Fruit, die günstig zubekommen sind und daher auch nur begrenzt schön klingen. Ebenso gerne wird Teak-Holz verwendet, das dann aber häufig aus indonesischer Herkunft stammt und auch nicht an die echten Eukas herankommt. In Europa werden auch andere Holzarten verwendet, dann auch in der sog. Sandwich-Technik bearbeitet. PVC-Rohre, Metallrohre, Fiberglas, Glasfaser oder auch Papier-Leim-Mischungen sind ebenfalls anzutreffen.

Über Yidaki und Mago

Als Yidaki werden Didgeridoos bezeichnet, die aus dem Nordosten von Arnhem Land kommen. Mago hingegen werden die aus dem Südwesten von Arnhem Land stammenden Didgeridoos genannt.

Über Arnhem Land sind verschiedene Spielweisen des Didgeridoo verteilt. Im Osten spielt man Bunggul, eine rhythmisch eher komplexe Sache, aber recht weich in der Intonation. Im Westen und Süden ist es Gunborrk, mit deutlich härterem Zungenschlag eher ruppig oder „dreckig“ gespielt. Im Westen mischt sich dann noch der Wangga-Stil mit ein, den man eher als weich und sanft empfindet und der den erdigen Klang „schön“ klingen lassen will (siehe dazu auch Stile auf Manikay.com).

Es lassen sich auch bauliche Unterscheidungen treffen, um die Eigenheiten der jeweils bevorzugten Spielweisen idealer herausstellen zu können:

Das Mago ist dagegen eher kürzer gebaut, deutlich dünnwandiger als das Yidaki, im Allgemeinen aus geradlinig gewachsenem Holz, also zylindrisch, und ebenfalls sehr reich an Obertönen, die aber deutlich „erdiger“ klingen. Huptöne sind schon eine Herausforderung auf dem Mago.

Das Yidaki ist relativ dickwandig, im Halsbereich eher engröhrig bzw. sich im Klangtrichter weitend, hat also eine konische Form. Es ist reichhaltig mit Obertönen ausgestattet. Huptöne lassen sich ganz gut und oft in 2 oder sogar 3 Tonlagen erzeugen.

Kategorien

Es finden sich verschiedene Arten von Didgeridoos, gleichsam Kategorien zugeordnet, die mit der Herkunft und Fertigung des Didgeridoos zu tun haben (siehe dazu über die Authentizität von Didgeridoos):

  • Authentic Traditional Aboriginal Didgeridoo. Das Instrument wird von sog. Hütern oder Verwahrern (Custodians) hergestellt. Das sind Aborigines, die dazu befähigt wurden, die passenden endemischen Stämme auszusuchen, zu ernten, daraus Didgeridoos zu bauen und sie zu bemalen (siehe zum Beispiel MT-Yidaki).
  • Aboriginal Didgeridoo. Auch diese stammen aus australischem Holz und werden von Aborigines geerntet, gebaut und bemalt, wobei diese jedoch keine Hüter oder Verwahrer sind (non-Custodian).
  • Aboriginal Art Didgeridoo. Diese Instrumente werden von nicht-indigenen Herstellern aus endemischem Eucalyptus gebaut und von Aborigines bemalt.
  • Australian Didgeridoo. Hier kommt nur noch die klanglich und baulich eher minderwertige Herstellung des Instruments aus australischem Holz (meist Eucalyptus) zum Tragen. Wer sie wo geschlagen, gebaut und wie bemalt hat, spielt keine Rolle. Oftmals werden Hölzer in Australien in Masse geschlagen und nach Indonesien zum Bemalen gebracht, dann wieder reimportiert und in Massen auf den Markt geworfen, wo sie Touristen begeistern sollen. Finger weg!
  • Didgeridoo. Ab hier ein Sammelbegriff für den ganzen Rest hohler Rohre aus Holz und anderen, beliebigen Materialien. Dennoch können diese Sticks von enormer klanglicher Qualität und auch künstlerisch anspruchsvoll gestaltet sein (siehe zum Beispiel Karssen Didgeridoos oder Zalem Signature Didgeridoos).

Bemalung

Die Kunst der indigenen Bevölkerung Australiens findet ihre Übertragung auch auf Didgeridoos. Sie ist regional sehr verschieden. Zwei Regionen lassen sich besonders gut gegeneinander abgrenzen: die der Yolŋu in Arnhem Land und die der Spinifex in der Great Victoria Desert in Westaustralien.

Die Bemalung der Yolŋu wird traditionell mit Naturfarben aus Ton, Lehm, Kalk und Kohle in den entsprechenden „Erdfarben“ gestaltet und mit Pinseln aus Grashalmen oder feinen Haarpinseln aufgetragen. Insbesondere zwei Maltechniken treten hier auf:

  1. X-ray, bei der Tiere oder Menschen im Umriss gezeigt und ihre Innereien oder Knochen anatomisch angenähert wie im Röntgenbild aufgemalt werden (siehe dazu zum Beispiel Aboriginal-Art.de).
  2. rarrk im westlichen Arnhem Land bzw. marvat im östlichen Arnhem Land, die mit der sog. Cross Hatching-Technik Strichzeichnungen zum Gegenstand hat (siehe dazu zum Beispiel Kateowengallery.com). Ihr Ursprung liegt im Clan-Design. Diese Technik wird auch heute noch in Zeremonien zur Körperbemalung genutzt. Eine ergänzende oder umgebende Bildgestaltung nimmt Motive des Clan-Designs auf, etwa Clan-typische Streifenmuster, oder zeigt abstrakte Natursituationen wie Buschgras oder Nahrungsquellen. Die Strichzeichnungen der Yolngu grenzen sich stilistisch auch davon ab.

Die Spinifex (siehe bzgl. ihrer Kunst auch Japingka) nutzen seit Anfang der 1970er Jahre eine Technik, die von Geoffrey Bardon in Papunya eingeführt wurde (siehe dazu Wikipedia: Geoffrey Bardon und vor allem das Honigtopfameisen-Wandgemälde): Das sog. Dot-Painting (siehe dazu CreativeSpirits.info).

Hierbei wird Acrylfarbe genutzt. Das Farbspektrum ist dabei breiter als das traditionelle, die Farben wirken logischerweise glänzender und frischer. Vielleicht aus diesen Gründen ist diese Technik insbesondere bei der Bemalung von Didgeridoos beliebt, die aus Indonesien importiert werden und die mit dem eigentlichen Dot-Painting nur noch das Verwenden von Farbpunkten gemeinsam haben. Häufig kommen dabei Maschinen zum Einsatz, die zuvor auf Folien aufgebrachte Bildnisse auf das Holz übertragen.

Das ursprüngliche Dot-Painting ist seither auch in anderen Gegenden Australiens anzutreffen, etwa in der Utopia-Community nördlich von Alice Springs, wobei sich die Malstile auch wieder von der Spinifex-Variante unterscheiden. Die unten zu sehenden Didgeridoos stammen aus der Alice Springs-Gegend, das blau bemalte ist definitiv ein Didgeridoo aus der Gemeinde Utopia; beide wurden zwischen 2001 und 2005 gebaut.

Verwendung in Zeremonien

Das Digeridoo dient den Aborigines als kulturelles, rituelles und spirituelles Instrument zur Begleitung von Tänzen und Zeremonien, zur Darstellung von erlebten Ereignissen, etwa einer Jagd oder dem beobachteten Verhalten von Tieren, und zum Erzählen von Geschichten und Liedern der Traumzeit. Diese Lieder werden als rhythmische Muster stets gleich und mit wenig bis kaum Variantionen oder Improvisationen wiedergegeben, egal wer das Instrument spielt. Hier geht es also nicht um den Spieler selbst, sondern um den Inhalt des Gespielten: Je mehr das Spiel zeremoniellen Zwecken dient, desto strenger sind die „Spielregeln“.

Für einen ersten Einblick in die Kultur der Aborigines empfehle ich http://www.aboriginalculture.com.au.

Klangphysik

Klangphysikalisch handelt es sich bei einem Didgeridoo um ein Lippenton-Aerophon mit Unterbrechungstechnik, siehe Wikipedia: Aerophon.

Es wird als eines der komplexesten Blasinstrument genannt, was die Entstehung des gehörten Klangbilds betrifft. Der jedem Didgeridoo eigene und typische Klang entsteht nämlich durch den spezifischen Fraßgang der Termiten. Und dieser bei jedem ausgefressenen Instrument natürlich anders.

Genauer betrachtet, ist für das Klangbild folgender Zusammenhang verantwortlich. Würde man eine computertomographische Aufnahme des Instrument erstellen, also eine scheibenweise Bildersequenz vom Mundstück bis zum Auslass ansehen, so zeigte jede dieser Scheiben in ihrem Innern den Umriss des Fraßgangs als eine geometrische Figur. Diese Figur hat einen Umfang, und die Veränderung des zahlenmäßigen Umfangwertes entlang des Rohrs (und nicht die spezielle Form der Figur) prägt den gehörten Klang. Für die Tonhöhe des Grundtons ist lediglich die Länge des Didgeridoos im Zusammenspiel mit der jeweils konisch oder zylindrisch verlaufenden Form des Holzstücks maßgebend.

Eine ausführliche Besprechung findet man zum Beispiel bei David Lindner: „Das Didgeridoo-Phänomen: Von der Urzeit zur Moderne.“