Alter des Didgeridoos

Das Didgeridoo wird oft und gerne als das älteste oder mindestens als eines der ältesten Blasinstrument der Menschheit bezeichnet. Eine Übertreibung oder gar Mythos? Gut möglich, denn Archäologen schätzen anhand von Felsmalereien der Aborigines das Alter des Didgeridoo auf lediglich 2500 bis 3500 Jahre (vgl. Wikipedia). Das ist die Zeit um 1000 vor Christus – die Pyramiden von Gizeh entstanden etwa von 2620 bis 2500 v. Chr., waren zu diesem Zeitpunkt also schon gut 1500 Jahre alt, und die alten Ägypter hatten fantastische Blasinstrumente, wie zum Beispiel das Arghul.

In den Erzählungen der Clans geht das Didgeridoo auf die „Traumzeit“ zurück. Wenn man jedoch nicht richtig verstanden hat, was die Bedeutung dessen ist, was westliche Anthropologen seinerzeit mit dem Begriff „Traumzeit“ übersetzten, und man dies schlicht auf eine mit einem Zeitbegriff konnotierte Schöpfungsmythologie reduziert, dann ist das vielleicht der Grund dafür, warum das Alter des Didgeridoos gerne mit 20.000, 40.000 oder sogar 100.000 Jahren beziffert wird (oder es dient dem Spieler als Angeberei). Bei dieser Annahme ist zudem zu bedenken, dass Homo Sapiens Australien vor ungefähr 45.000 Jahren überhaupt erst besiedelte und die Aborigines nachweislich Nachfahren dieser Menschengruppe sind [Eske Willerslev, Morten Rasmussen et al.: Science. 20. September 2011]. Auch Eukalyptusbäume tauchten in Australien erst mit dem Erscheinen der Sapiens auf. Ob diese Gruppe also bereits ein Blasinstrument „im Gepäck“ hatte, oder ob es noch viele Jahrtausende brauchte, bis Termiten in Eukalyptuswäldern Stämme aushöhlten, ist nicht feststellbar. Und um nicht zu spekulieren, bleibe ich daher lieber bei den archäologisch gesicherten Fakten zu den Felsmalereien.

Das nachweislich älteste Blasinstrument der Welt, eine Flöte, hat tatsächlich ein Alter von 40.000 Jahren und wurde auf der Schwäbischen Alb gefunden. Es darf also zwingend bezweifelt werden, dass das Didgeridoo das älteste Blasinstrument ist. Und ehrlich gesagt: Sein Alter trägt für mich nicht dazu bei, die Klänge des Instruments zu mögen.