
Das größte Geheimnis des Didgeridoos ist wohl die Frage: „Und wie atme ich ein, ohne dass ich aufhören muss zu spielen?“ Die geheimnisvollste Antworte darauf lautet wohl: „Ganz einfach: Durch die Nase!“
Am Didgeridoo entsteht ein Ton ja nur dann, wenn seine Luftsäule schwingt, und das geht eben zunächst durch Ausatmen der Luft aus den Lungen durch den Mund. Beim Einatmen von Luft durch den Mund in die Lungen kann aber nicht gleichzeitig Luft aus den Lungen herausströmen, denn die Luftröhre ist immer nur in eine Richtung nutzbar. Auch beim Einatmen durch die Nase kannst du also nicht gleichzeitig über die Lungen ausatmen. Die einzige Möglichkeit, in genau der Zeit, in der du durch die Nase einatmest, einen Luftstrom in das Didgeridoo abzugeben, ist – Achtung: Geheimnis wird gelüftet! – die im Mundraum verbliebene Luft auszupressen, ganz so, als hättest du Wasser im Mund und entließest es in einem dünnen Strahl durch die angespitzten Lippen ins Freie – bloß nicht schlucken, und um das zu verhindern, verschließt die Zunge am Gaumensegel den Mundraum und trennt ihn damit vom Rachenraum ab, genau wie es passiert, wenn du den Laut „ng“ wie in „Engel“ oder „Gong“ sprichst. Dennoch müssen beim Auspressen der Luft aus dem Mundraum die Lippen weiterhin locker flattern, denn nur dabei bleibt der Ton erhalten (und da helfen Wasserübungen oder die viel zitierte Strohhalmmethode überhaupt nicht weiter). Das alles zu koordinieren, erfordert viel Übung und braucht vermutlich einen Lehrer, der sehen und korrigieren kann, was du gerade tust oder nicht tust.
Mit diesem Wissen können wir einen Kreislauf im Luftstrom beschreiben, den wir Zirkularatmung nennen:
- Luft aus den Lungen durch den Mund bei engen Wangen ausatmen
- Beim Ausatmen Luft im Mundraum sammeln (zum Beispiel durch Aufblähen der Wangen wie beim Kerzen Auspusten oder Herunterklappen des Kiefers wie beim „a“ oder durch Zurückziehen der Zunge wie beim Wort „Puh“)
- Luft aus dem Mundraum auspressen (zum Beispiel durch Zusammenziehen der Wangen oder Heraufziehen des Kiefers oder Drücken der Zunge nach vorne zu den Zähnen) und DABEI GLEICHZEITIG Luft durch die Nase einziehen
- Wieder Luft durch den Mund ausatmen (also wieder Schritt 1.)
In Schritt 2 gelangt je nach Ausprägung der Wangen-, Kiefer- und Zungenbewegung unterschiedlich viel Luft in deinen Mundraum: das Aufblähen der Wangen gibt dir mehr Luft als das Herunterziehen des Kiefers in einer Kaubewegung als das Zurückziehen der Zunge. Je nach Spielweise und Rhythmik steht jede dieser drei Bewegungen mehr oder weniger im Vordergrund: Denn je mehr Luft du im Mundraum hast, desto länger kannst du sie auspressen und desto mehr Zeit und Ruhe hast du, währenddessen Luft durch die Nase einzuatmen.


Dieses Einatmen durch die Nase nennt man bisweilen auch deswegen „aktive Atmung“ (im Englischen besser: pull breath), weil der Brustkorb bzw. das Zwerchfell hier aus eigener Kraftanstregnung geweitet werden müssen und die Luft aktiv durch Muskelanstrengung eingesaugt wird.
Eine andere Art der Atmung ist der sogenannte push breath. Dabei wird der Mundraum durch einen kräftigen Stoß des Zwerchfells mit Luft gefüllt und dabei die Wangen geweitet, und gleichzeitig wird das Zwerchfell nach oben gepresst, wodurch die Luft sofort wie von selbst wieder aus dem Mund entweichen und das Zwerchfell sich nach unten entspannen will und dabei wie von selbst Luft einsaugt. Der Atemzyklus wird hier sehr kurz und schnell ausgeführt.