Wissenswertes

Klangphysik

Klangphysikalisch handelt es sich bei einem Didgeridoo um ein Lippenton-Aerophon mit Unterbrechungstechnik, siehe Wikipedia: Aerophon.

Es wird als eines der komplexesten Blasinstrumente genannt, wenn man auf die Bildung des gehörten Tons im Instrumentkorpus abstrahiert: Der jedem Didgeridoo eigene und typische Klang entsteht nämlich letztlich durch die Variationen des Umfangs des Fraßgangs. Und dieser ist je ausgefressenem Instrument natürlich anders. Das bedeutet: Würde man eine computertomographische Aufnahme des Instrument erstellen, also eine scheibenweise Bildersequenz vom Mundstück bis zum Auslass ansehen, so zeigte jede dieser Scheiben in ihrem Innern eine geometrische Figur als Umriss des Fraßgangs. Diese Figur hat einen Umfang, und die Veränderung des zahlenmäßigen Umfangwertes entlang des Rohrs (und nicht die spezielle Form der Figur) prägt den gehörten Klang. Für die Tonhöhe ist lediglich die Länge im Zusammenspiel mit der jeweils konisch oder zylindrisch verlaufenden Form des Holzstücks maßgebend. Siehe dazu zum Beispiel das Buch von David Lindner: „Das Didgeridoo-Phänomen: Von der Urzeit zur Moderne.“

Material

Didgeridoos werden aus hohlen Stämme verschiedener Eukalyptus-Arten gebaut. Die Stämme werden von Termiten ausgehöhlt, wobei der Fraßgang den jeweils individuellen Klang des Didgeridoos maßgeblich mitbestimmt.

Das Bild zeigt einen typischen Fraßgang, wie er von Termiten hinterlassen wird.

Es gibt auch Didgeridoos aus Bambus, wobei die Qualität des Klangs hier meist nur bei wirklich alten Instrumenten gegeben ist. Ebenso gerne wird Teak-Holz verwendet, das dann aber häufig aus indonesischer Herkunft stammt. In Europa werden auch andere Holzarten verwendet, dann auch in der sog. Sandwich-Technik bearbeitet. PVC-Rohre, Metallrohre, Fiberglas, Glasfaser oder auch Papier-Leim-Mischungen können ebenfalls verwendet werden.

Bemalung

Die australische Aborigines Kunst findet ihre Übertragung auch auf Didgeridoos. Sie ist regional sehr verschieden. Zwei Regionen lassen sich besonders gut gegeneinander abgrenzen: die der Yolngu in Arnhem Land und die der Spinifex in der Great Victoria Desert in Westaustralien (zu australischer Aborigines Kunst empfehle ich die Galerie Artkelch):

  • Die Bemalung der Yolngu wird traditionell mit Naturfarben aus Ton, Lehm, Kalk und Kohle in den entsprechenden „Erdfarben“ gestaltet und mit Pinseln aus Grashalmen  oder feinen Haarpinseln aufgetragen (siehe dazu zum Beispiel didjiman’s Seiten). Insbesondere zwei Maltechniken treten hier auf:
    • rarrk im westlichen Arnhem Land bzw. marvat im östlichen Arnhem Land, die mit der sog. Cross Hatching-Technik Strichzeichnungen zum Gegenstand hat (im Titelbild: mein Mago aus der Beswick-Region, vermutlich späte 1980er Jahre).
      Ihr Ursprung liegt im Clan-Design. Diese Technik wird auch heute noch in Zeremonien zur Körperbemalung genutzt. Eine ergänzende oder umgebende Bildgestaltung nimmt Motive des Clan-Designs auf, etwa Clan-typische Streifenmuster, oder zeigt abstrakte Natursituationen wie Buschgras oder Nahrungsquellen. Die Bilder zeigen ein Mago aus der Beswick-Gegend. Die Strichzeichnungen der Yolngu (siehe Beispiele bei Artkelch) grenzen sich stilistisch auch davon ab.
    • X-ray, bei der Tiere oder Menschen im Umriss gezeigt und ihre Innereien oder Knochen anatomisch angenähert wie im Röntgenbild aufgemalt werden.
  • Die Spinifex (siehe bzgl. ihrer Kunst auch Japingka) nutzen seit Anfang der 1970er Jahre eine Technik, die von Geoffrey Bardon in Papunya eingeführt wurde (siehe dazu Wikipedia: Geoffrey Bardon und vor allem das Honigtopfameisen-Wandgemälde):
    • Dot-Painting (siehe dazu CreativeSpirits.info). Hierbei wird Acrylfarbe genutzt. Das Farbspektrum ist dabei  breiter als das der Yolngu, die Farben wirken glänzender und frischer.Diese Technik ist leider und insbesondere bei der Bemalung von Didgeridoos beliebt, die aus Indonesien importiert werden und mit dem eigentlichen Dot-Painting nur noch das Verwenden von Farbpunkten gemeinsam haben. Häufig kommen dabei Maschinen zum Einsatz, die zuvor auf Folien aufgebrachte Bildnisse auf das Holz übertragen.
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Das Dot-Painting ist seither auch in anderen Gegenden Australiens anzutreffen, etwa in der Utopia-Community nördlich von Alice Springs, wobei sich die Malstile auch wieder von der Spinifex-Variante unterscheiden. Die zu sehenden Didgeridoos stammen aus der Alice Springs-Gegend, das blau bemalte ist definitiv ein Didgeridoo aus der Gemeinde Utopia; beide wurden zwischen 2001 und 2005 gebaut.

Kategorien

Es finden sich verschiedene Arten von Instrumenten, gleichsam Instrumentkategorien, die mit der Herkunft und Fertigung des Didgeridoos zu tun haben (siehe dazu über die Authentizität von Didgeridoos):

  • Authentic Traditional Aboriginal Didgeridoo. Das Instrument wird von sog. Hütern oder Verwahrern (Custodians) hergestellt. Das sind Aborigines, die dazu befähigt wurden, die passenden endemischen Stämme auszusuchen, zu ernten, daraus Didgeridoos zu bauen und sie zu bemalen.
  • Aboriginal Didgeridoo. Auch diese stammen aus australischem Holz und werden von Aborigines geerntet, gebaut und bemalt, wobei diese jedoch keine Hüter oder Verwahrer sind (non-Custodian).
  • Aboriginal Art Didgeridoo. Diese Instrumente werden von nicht-indigenen Herstellern aus endemischem Eucalyptus gebaut und von Aborigines bemalt.
  • Australian Didgeridoo. Hier kommt nur noch die Herstellung des Instruments aus australischem Holz (meist Eucalyptus, auch minderwertig) zum Tragen. Wer sie wo und wie bemalt, spielt keine Rolle. Oftmals werden Hölzer in Australien in Masse geschlagen und nach Indonesien zum Bemalen gebracht und dann wieder reimportiert.
  • Didgeridoo. Der ganze Rest.

Instrumenttypen aus Arnhem Land

Die Namen Yidaki und Mago lassen auch eine bauliche Unterscheidung zu und können, zumindest ganz grob, als grundlegende Bautypen angesehen werden (siehe dazu auch Stile auf Manikay.com):

  • Das Yidaki stammt aus dem Nordosten von Arnhem Land.  Es ist relativ dickwandig, im Halsbereich eher engröhrig bzw. sich im Klangtrichter weitend, auch mit ungeradem oder ungleichmäßigem Fraßgang oder aus nicht zwingend geradem Holz gewachsen, recht gut mit Obertönen ausgestattet. Es klingt irgendwie „dreckig“ oder „erdig“. Huptöne lassen sich ganz gut und oft in 2 oder sogar 3 Tonlagen erzeugen.
  • Das Mago hingegen stammt aus dem Südwesten von Arnhem Land und ist eher kürzer gebaut, deutlich dünnwandiger als das Yidaki, im Allgemeinen aus geradlinig gewachsenem Holz, nicht zwingend engröhrig, ebenfalls sehr reich an Obertönen, klingt aber deutlich „melodischer“. Im Wangga-Stil spielt man es eher weich und sanft, um den dennoch auch erdigen Klang „schön“ klingen zu lassen, man stellt also die Vokale heraus. Im Kun-Borrk-Stil (oder auch Gunborrk/Gunbarrk) wird es mit deutlich härterem Zungenschlag gespielt, ruppiger. Die Konsonanten stehen im Vordergrund. Passende Magos für diesen Stil sind nochmal dünnwandiger, eher konisch statt geradlinig gewachsen und mitunter mit deutlich größerem Innenraum als bei einem Yidaki. Huptöne sind so oder so schon eine Herausforderung auf dem Mago.

Über den Namen „Didgeridoo“

Es gibt sehr viele verschiedene Namen für das Instrument je Clan und Sprachraum. Die für uns bekanntesten Namen aus Arnhem Land sind Yidaki und Mago. Yidaki ist der Yolngu-Name für das Didgeridoo; Mandapul ist seit 2011 der offizielle Yolngu-Name für Yidaki – siehe dazu einen Eintrag in der englisch-sprachigen Wikipedia. Mit diesen Namen verbinden wir durchaus sowohl Bauweisen als auch Spieltechniken.

Für den Namen „Didgeridoo“ gibt es verschiedene Begründungen (siehe dazu auch Wikipedia: Didgeridoo):

  • Der Name stamme aus dem Irischen: dúdaire dúth (gesprochen dudscherreh duh, übersetzt: Horn der Eingeborenen) – klingt sehr plausibel.
  • Der Name sei von der häufig zu hören gewesenden Klangsilbenfolge „Di-de-ri-du“ abgeleitet.
  • Umgekehrt ist es aber ebenfalls denkbar: Es lässt sich fast jede Silbenfolge auf dem Didgeridoo nachahmen. Daher fällt es nicht schwer, ein „typisches“ Klangbild, das sich wie „Didgeridoo“ anhört, zu erzeugen. Was also war zuerst: Henne oder Ei?

Herkunft des Didgeridoos

Ursprünglich stammt das Instrument aus dem Norden von Australien, aus Arnhem Land. Seit den 1950ern wurde es im Rest Australiens bekannt und in Europa seit den 1960ern gezeigt. Siehe dazu Wikipedia: D*v*d Bl*n*s*. Die Olympischen Spiele 2000 in Sydney brachten die Instrumente schließlich in die Massenproduktion. Hier verliert sich die Qualität sowohl im Klang als auch bei der Bemalung. Heute stammen viele Instrumente aus Indonesien. Sie werden entweder aus dort geernteten Hölzern gefertigt, oder es werden australische Eukalyptusstämme exportiert, bemalt und dann reimportiert (siehe dazu auch Intstrumentkategorien).

Alter des Didgeridoos

Archäologien sollen anhand von Felsmalereien der Aborigines das Didgeridoo auf ein Alter von 2500 – 3000 Jahren datiert haben. In den Legenden der Clans jedoch gehe es auf die Traumzeit zurück. Vielleicht ist das ein Grund, warum sich das oft gehörte und weitergesagte Alter des Didgeridoos auf 20.000, 40.000 oder sogar 100.000 Jahre beziffert (dabei ist zu bedenken, dass die ersten Menschen denjenigen Erdteil, aus dem Australien, Neu-Guinea und Tasmanien hervorgingen, in der Zeit von vor 40.000 bis vor 60.000 Jahren erst besiedelten). Es darf also bezweifelt werden, dass das Didgeridoo das älteste Blasinstrument der Welt ist. Nachweislich alt ist eine Flöte aus dem Flügelknochen eines Gänsegeiers, die 2009 in der Höhle „Hohle Fels“ auf der Schwäbischen Alb gefunden wurde und deren Alter bei rund 35.000 Jahren liegen soll.

Aborigines Zeremonien

Das Digeridoo dient den Aborigines als kulturelles, rituelles und sprituelles Instrument zur Begleitung von Tänzen und Zeremonien, zur Darstellung von erlebten Ereignissen, etwa einer Jagd oder dem beobachteten Verhalten von Tieren, und zum Erzählen von Geschichten und Liedern der Traumzeit. Diese Lieder werden als rhythmische Muster stets gleich und mit wenig bis kaum Variantionen oder Improvisationen wiedergegeben, egal wer das Instrument spielt. Hier geht es also nicht um den Spieler selbst, sondern um den Inhalt des Gespielten: Je mehr das Spiel zeremoniellen Zwecken dient, desto strenger sind die „Spielregeln“.

Für einen ersten Einblick in die Kultur der Aborigines empfehle ich http://www.aboriginalculture.com.au.